Robinson Crusoe und ein Meer von Büchern

Manchmal leide ich am Robinson Crusoe-Syndrom. Es befällt Bibliothekare, die allein gegen Berge von Büchern ankämpfen. Oder die sich fragen: Warum gibt der Buchscanner so seltsame Geräusche von sich? Wo ist das Buch, dass ein Kollege nur mal kurz mit in sein Büro genommen hat? Worum geht es in dem archäologischen Grabungsbericht aus Transsilvanien? Brauchen wir den?

Wer wird Millionär?

Die Bibliothek unseres WeltenMuseums ist eine klassische »One Person Library« (OPL): eine »bibliothekarisch ausgebildete Fachkraft« betreut allein den Bestand einer Spezialbibliothek. In meinem Fall bedeutet dies: etwa 180.000 Bücher (die genaue Anzahl ist leider unbekannt & täglich werden es mehr) aus den Bereichen Archäologie, Ethnologie, Kunstgeschichte, Naturkunde und Numismatik. Dazu kommt dann noch Literatur für die vielen unterschiedlichen Berufsgruppen hier am Haus: Tierpfleger, Tischler, Restauratoren… Dadurch, dass Bücher und Zeitschriften aus all diesen Themenbereichen über meinen Schreibtisch gehen, habe ich in vielen Sachgebieten ein gefährliches Halbwissen. Wahrscheinlich könnte ich bei »Wer wird Millionär« ziemlich abwegige Fragen beantworten.

Leben auf der einsamen Insel

Das eingangs genannte Syndrom ereilt mich, wenn ich die vielen Fragezeichen, die sich im Laufe eines Arbeitstages anhäufen, größtenteils allein beantworten muss und wie Robinson Crusoe gelegentlich Selbstgespräche führe. Da es auch anderen »One Person Librarians« so geht, hilft es ungemein, sich von einer Inselbibliothek über das Meer aus Büchern hinweg mit anderen Robinsons zu verbünden und auszutauschen.

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