Hannover ist steinreich

Können Steine sprechen?

Für viele Menschen sind Steine nur »grau«. Und langweilig. Und ziemlich still. Man kann jedoch mit Steinen sprechen… wie das? Kein Flax, tatsächlich nennt man die Identifikation von Gesteinen in der geologischen Fachsprache so. Während dieser »Ansprache« durch schon Steinbegeisterte beginnen die Steine ihrerseits gleichsam zu sprechen – und dabei verwandeln sie sich in hochinteressante Objekte: Ihr oft enormes Alter, der unerhörte Gebirgsdruck, der einst auf ihnen lastete, die ausgestorbenen Fossilien oder die edlen Mineralien, die in ihnen enthalten sind – all dies verschafft sich nun Gehör und entflammt die Steinbegeisterten! Und ganz besonders Steinbegeisterte machen sich auf öffentlichen Rundgängen durch Städte zu Sprechern der Steine, die sie dann vor Bauwerken und Denkmalen, auf dem Straßenpflaster und an Mauern höchst lebendig erklären.

Einen Stein im Brett haben…

… belegt ja schon die positive Wirkung von Steinen als solchen. Und totzukriegen sind sie auch kaum – nur die von Loriot erdachte »Steinlaus« wäre eine wirkliche Bedrohung! Da es dieses »kleine possierliche Tierchen« aber erfreulicherweise gar nicht gibt, nagen lediglich die Faktoren der Verwitterung am Stein. Oder hier und da mal das Streusalz vom Winterdienst. Oder aber Hunde… aber da gehen wir jetzt nicht ins Detail. Ansonsten sind Steine fest und schwer und verlässlich, Garanten der Dauerhaftigkeit. Genau dafür stehen sie auch in der Architektur. Genau darum werden sie gern für Repräsentationsbauten eingesetzt – wie beim Landesmuseum Hannover; ein wunderbares Beispiel dafür! Doch sind alle »hard rocks« echte hardrocker? Was ist mit ihrer Vergangenheit?

Über Stock und Stein in den Vulkan hinein

Dieses Jahr: Themenschwerpunkt »Vulkangestein«. Basalte und Vulkantuffe sind heute tatsächlich echte »hard rocks«. Sie waren aber einmal ein superheißer, flüssiger Gesteinsbrei in einer Magmakammer tief unter der Erde – fast schon »softies«! Temperaturen weit über 1.500° C schmolzen alle Mineralien in dieser Masse auf, und der hohe Druckstau führte immer wieder zu Spannungsentladungen, hoch in Richtung Erdoberfläche: Wir nennen das dann »Vulkanausbruch«. Die dabei herausgeschossene oder herausfließende Lava erkaltet an der Erdoberfläche und wird zu Gestein. Und das kann dann abgebaut und zum Häuser- oder Straßenbau verwendet werden.
Doch wann wird aus Magma eine Lava? Wie unterscheidet man die hellen und die dunklen Vulkangesteine, und was bedeutet das überhaupt? Mit welchen anderen Gesteinen werden solche Vulkangesteine gern im Ensemble verbaut? Folgen Sie uns auf zwei spannenden Touren rund um die auskunftsfreudigen Naturwerksteine von Landesmuseum, Neuem Rathaus, Bahlsen-Brunnen und Museum August Kestner und bleiben Sie mit uns in Bewegung, frei nach dem niederländischen Motto:

»Ein rollender Stein setzt kein Moos an!«

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Dr. Annette Richter, Diplom-Geologin

Selbstbeschreibend: seit Kindesbeinen (6 Jahre) Fossilien- und Steine-liebend; noch heute (50 Jahre alt) in Städten mit interessanten Naturwerkstein-Fassaden in schöner Regelmäßigkeit vom Shoppen durch Steine und deren Analyse in Herkunft und Alter abgelenkt; zum wilden Urban Climbing hat die Begeisterung noch nicht geführt.

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